Oktober 2009
Lesen Sie über das Making of, das Programm, die Musiker und sehen Sie die Videos.
Unser erstes Projekt
Am siebten Oktober flogen vier Musiker von Symphonie Fantastique (Robert Percival, Fagott – Santiago Medina Cepeda, Violine – Simone Laghi, Bratsche – Keiko Gomi, Cello) nach Wien, um ein Kammermusik-Konzert mit Stücken aus dem frühen 19. Jahrhundert Bläsermusik zu geben.
Kirche des Deutschen Ordens, Singerstraße 7, Wien.
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Obwohl wir alle schon oft in anderen Orchestern zusammen gespielt haben, war es für manche von uns schon etwas Neues, in einem Kammermusik-Ensemble zu spielen. Die Techniken romantische Musik zu interpretieren sind bis jetzt noch weitgehend unerforscht beziehungsweise wenig überliefert. Auch ist die richtige Bogenführung und Phrasierung in weitenTeilen noch unklarer, als sie es beim Spielen barocker oder klassischer Musik sind. Unser erstes Projekt war der erste, sehr konstruktive Schritt, eine gemeinsame Idee für die Umsetzung romantischer Musik zu entwickeln.
Die Vorpremiere fand im Santo Spirito statt, einer Bar in der Nähe des Stephansdoms, in der vorzugsweise barocke und klassische Musik die Gäste unterhält. Was wir dort taten, mutet wahrscheinlich wirklich historisch an. Wir spielten für die Gäste der Bar, während diese dort aßen, tranken und sich leise unterhielten. Viele der Leute, die uns an diesem Abend erlebten, besuchten uns auch am nächsten Tag, als wir das Konzert in der Kirche des Deutschen Ordens gaben; nur ein paar Schritte vom Santo Spirito entfernt.
Santo Spirito, Kumpfgasse 7, Wien.
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Die Mitglieder unseres Ensembles verbindet eine tiefe Freundschaft und der Wunsch, die Romantik in der Musik wiederzufinden.Diesen besonderen Moment unseres ersten Konzertes teilten wir mit vielen Freunden aus dem In- und Ausland.
Die Videos
Franz Krommer – Flöten Quartett, D Dur, op. 75
Beethoven – Serenade für Flöte, Violine und Bratsche, op. 25
Carl Jacobi – Fagott Quartett, op. 4
Das Programm
- Franz Krommer, Quartett für Flöte uns Streicher, op. 75
- Charles Jacobi, Quartett für Fagott und Streicher, op. 4
- Franz Krommer, Quartett für Fagott und Streicher, op. 46, nr. 1
- Ludwig van Beethoven, Serenade für Flöte, Violine und Bratsche, op. 25
Der Sohn eines Gastwirts kommt nach Wien um sein Glück zu finden. Er komponiert neun Symphonien, viele Streichquartette und Konzerte. Beethoven? Nein: Franz Krommer, 1759 in Mähren geboren und in Wien in der Kirchengasse 108, am 27. November 1831 gestorben.
Krommers Musik war europaweit bekannt. Viele seiner Stücke wurden etwa in Paris und Wien gleich mehrere Male veröffentlicht. Auch seine Quartette für Fagott waren so mitreißend, dass sie gleich von zwei Verlagen veröffentlicht wurden. Als Krommer dieselben Stücke, zehn Jahre später, für Klarinette adaptierte, erinnerte sich ein Rezensent und schrieb, dass er die Stücke schon mal gehört hatte! Man sagte damals, dass Krommers 100 Quartette bekannter als jene von Beethoven waren; das sagt vielleicht mehr über das Wiener Publikum von 1800 als über die Werke dieser zwei Komponisten. Krommer wurde Mitglied des Gesellschaft der Musikfreunde und 1818 Hofkomponist und Kappellmeister. Zu dieser Zeit, dem Höhepunkt seiner Karriere, reiste er mit Kaiser Franz I durch ganz Europa und spielte mit ihm Quartette. Heutzutage ist Krommers Name vor allem deshalb bekannt, weil er der letzte Kappellmeister des Hofes gewesen ist.
Die Zeit Krommers war eine goldene für Blasinstrumentalisten. Zwischen 1780 und 1830 stellten alle wichtigen Adelshäuser, alle Erzbischöfe und Königshäuser eine Harmonie ein, zum Teil als Statussymbol, zum Teil als eine Art Jukebox, die alle bekannten Melodien von Opern und Ballett während des Abendessens spielen konnte. Für leidenschaftliche Amateure waren Blasinstrumente zuhause so populär wie Klavier oder Streichinstrumente. Technologie und Technik waren soweit, dass alle Instrumente auf gleichem Niveau waren – und, wichtiger, in den gleichen Tonarten gespielt werden konnten. Nach 1800 begannen nicht nur Geige- und Klaviersolisten durch alle europäischen Städte zu ziehen, sondern auch Bläsersolisten wie die Stadler- oder die Bärmann-Brüder zog es mit ihren Klarinetten von Hauptstadt zu Hauptstadt.
In unserem heutigen Programm befassen wir uns mit all diesen Facetten der Blasmusik des frühen 19. Jahrhunderts. Die Ursprünge von Beethovens Serenade sind heute verloren. Ihre erweiterte Serenadeform und die seltene Besetzung stammen vielleicht aus einem Auftrag einer Familie von begabten Amateuren, die etwas Neues und à la mode spielen wollten.
Krommers Flötenquartette waren sicherlich für den Massenmarkt geschrieben, da die Flöte, damals wie heute, das populärste Blasinstrument ist; das zeigt, wie hoch das musikalische Niveau in Wiens Häusern zu diesem Zeitpunkt war. Die technischen Herausforderungen sind sehr hoch und verlangen auf den Flöten, die damals gespielt wurden, eine gute klangliche Kontrolle, besonders für die riesigen Sprünge, die so oft vorkommen, und die häufigen tiefen Cs, die damals eine ziemliche Neuheit auf dem Instrument waren.
Wir wissen, dass sein Fagottquartett im Konzert aufgeführt wurde. Es wurde wohl veröffentlicht, um Profit zu machen, wahrscheinlich von einem professionellen Musiker aufgetragen (eventuell von Bohemisch Czejka, der zum ersten Mal die herausfordernden Solos in Beethovens Violinkonzert und 4. Symphonie gespielt hatte).
Das am wenigsten bekannte Stück unseres Konzerts ist eigentlich das, worüber wir am meisten wissen. Carl Jacobi war so ein bekannter Fagott-Virtuose, dass sein Quartett noch zwanzig Jahre später in Carl Almenräders Fagottschule empfohlen wurde. Das Stück reiht sich in die Tradition eines Vivaldi, Mozart, Beethoven, Liszt und Paganini: ein Konzertstück vom Solisten komponiert, um seine eigenen Stärken zu zeigen.
Robert Percival

Das Kammerensemble von Symphonie Fantastique.
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Die Musiker
- Giulia Barbini – Flöte (Italien)
Giulia kommt aus Florenz und hat Flöte studiert, bei Prof. Dieter Flury an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz und historische Instrumente und Aufführungspraxis bei Mathias von Brenndorff und Lisa Beznosiuk in der Jeune Orchestre Atlantique in Frankreich. Sie lebt seit sechs Jahren in Wien und substituiert hier regelmäßig an der Wiener Staatsoper. Sie spielt in ganz Europa mit modernen Ensembles, wie Auria und Spira Mirabili, und Original-Instrumente Orchestern, wie Orchestre des Champs-Elysées und Orchestra of the Age of Enlightenment.
- Robert Percival – Fagott (England)
London Symphony Orchestra, Philharmonia, Wiener Philharmoniker – Das sind einige Orchester mit denen Robert nie gespielt hat. In ihren Städten tritt er aber auf; mit den bekanntesten Originalinstrumente-Ensembles, wie zum Beispiel dem Orchestre des Champs-Élysées, Anima Eterna und dem Orchestra of the Age of Enlightenment. Heuer hat er Haydn sowohl in Chester als auch in Schloss Esterhazy gespielt, er ist in Südamerika mit Berliozs Symphonie Fantastique auf Tour gewesen und hat eine triumphale Aufführung von seiner Version für das Bläsersextett in Beethovens 4.Symphonie erlebt!
- Santiago Medina Cepeda – Violine (Colombien)
Santiago Medina wurde in Bogotá geboren. Er gab bereits Solokonzerte in den angesehensten Konzertsälen seines Heimatlandes. Seit seiner Ankunft in Europa beschäftigt er sich intensiv mit der historischen Aufführungspraxis und studiert am Centre Européen de recherche et pratique musicales in Frankreich bei Midori Seiler. Er hat zwei Jahre an der Hochschule für Musik Köln studiert und absolviert zurzeit seine künstlerische Ausbildung an der Universität der Künste Berlin bei Frau Prof. Nora Chastain. Santiago ist Mitglied und Konzertmeister der Jungen Deutschen Philharmonie, und neben seinem Studium tritt er mit dem belgischen Orchester Anima Eterna, mit Ophélie Gaillard und der Akademie für Alte Musik Berlin auf.
- Simone Laghi – Bratsche (Italien)
Simone hat sein Magisterdiplom in Violine und Bratsche am Conservatorio Bruno Maderna erlangt und ist Doktor in Weinkunde und Weinbau. Er hat das Duo Repertoire mit Klavier an der Accademia Internazionale Incontri col Pianista in Imola studiert und widmet sich seither stark der Kammermusik – Klassisches und Zeitgenössisches Repertoire. Seit 2007 studiert Simone Barockmusik – meistens auf der Bratsche – mit Stefano Marcocchi (erste Bratsche von Europa Galante) und momentan in Amsterdam mit Lucy Van Dael.
- Keiko Gomi – Violoncello (Japan)
Keiko hat in der ganzen Welt studiert: am Kyoto City University of Arts mit Noboru Kamimura and Kazutaka Amada, an der Franz Liszt Academy mit Onzay Czaba und an der École Normale de Paris mit Julien Paul. Sie hat Barockcello in der Jeune Orchestre Atlantique mit Ageet Zweistra und Hilary Metzger studiert und ist derzeit Studentin von David Simpson am CNR Paris. Sie hat mehrere Auszeichnungen aus Japan, unter aderem auch ein Stipendium von Fuji TV KBK, für ihr Studium in Paris. Sie ist als Solistin mit mehreren japanischen Orchestern aufgetreten und spielt derzeit in Frankreich mit ihrem Quartet Matis und in vielen Originalklang-Ensembles wie Sphera Antiqua und Les Siècles.

